Die Familienformel, 3: Warum ein alter Fuchs neue Tricks braucht

Die Familienformel, 3: Warum ein alter Fuchs neue Tricks braucht

by Fiona Unsworth

Die Familienformel, 3: Warum ein alter Fuchs neue Tricks braucht

 

Über die Jahre haben wir mit vielen Unternehmen zusammengearbeitet, die im Familienbesitz oder familiengeführt sind. Im besten Falle verfügen sie über Stärken, an die andere Unternehmen nur schwer herankommen. Aber Vorsicht vor zu viel des Guten. Eben diese Stärken können Probleme verursachen, die Familienunternehmen daran hindern den Erfolg zu haben, den sie verdient hätten.​

Zusätzlich gibt es eine Begleitserie von Podcasts.​

 

Nummer drei: Warum ein alter Fuchs neue Tricks braucht

Ein großer Vorteil von Familienunternehmen ist die Freiheit von kurzfristigem Druck. Niels Christiansen, Vorstandsvorsitzender des familiengeführten Unternehmens LEGO sagt über Familienunternehmen: “Sie sind nicht-familiengeführten Firmen überlegen, weil sie eine langfristige Sicht auf die Dinge haben.”

Ohne Anteilseigner die schnelle Rendite fordern, können sich Familienunternehmen größere Risiken leisten. Aber wenn es um Innovation geht, sind sie trotzdem manchmal zu zögerlich.

 

DAS PROBLEM: DIE “DAS-HABEN-WIR-1985-SCHON-VERSUCHT” EINSTELLUNG

Familienunternehmen haben ein langes Gedächtnis (oft weil Führungspositionen viel seltener neu besetzt werden, als in Aktiengesellschaften). Dies führt häufig zu dem Handlungsgrundsatz “Einmal und nie wieder.”

Heinz Leopold, der von Unilever zu dem deutschen Familienunternehmen Tchibo kam, um für frischen Wind zu sorgen, sagt in unserem “Familienformel” Podcast: “Die Unternehmensgeschichte ist mit der Familiengeschichte eng verknüpft: Ein Onkel oder Sohn hatte mal eine Idee, die nicht funktionierte. Eine Familie erinnert sich an solche Desaster, weil ihr Geld verschwendet wurde. Aber wenn man das Geld immer als sein eigenes wahrnimmt, kann das zu konservativen Entscheidungsprozessen führen. Und die Zeiten ändern sich. Nur weil etwas 1955 oder 1985 nicht funktioniert hat, heißt das nicht, dass es heute nicht funktioniert.“

Und sie können zögerlich sein, die Formel zu ändern, die sie da hin gebracht hat, wo sie heute stehen. Leopold erklärt: “Sie werden immer sagen: ‘So habe ich meine 4 Milliarden verdient. Das kann nicht falsch sein.’” Mit dieser Haltung werden zum Beispiel neue Technologien nur langsam angenommen. Unser Direktor Gilmar Wendt erläutert: “Oft spaltet das Thema “digital” ein Familienunternehmen. Die jüngere Generation die damit aufgewachsen ist, nimmt das glücklich an, aber die ältere Generation ist skeptisch.” Laut einer Studie von PwC machen sich nur 25% der Familienunternehmen Gedanken über digitale Technologien und darüber, dass die Konkurrenz ihren Markt stören könnte – eine deutlich geringere Zahl als bei Aktiengesellschaften. Das bedeutet, sie sind entweder unglaublich selbstsicher oder besorgniserregend naiv.

Wie bringt man Familienunternehmen also dazu, die innovative Freiheit zu nutzen, die eigentlich ihre größte Stärke ist?

 

GO DIGITAL

“Das ist die eine Maßnahme, die die meisten Unternehmen völlig verändert und vor der die meisten Familienunternehmen Angst haben”, sagt Gilmar. “Der deutsche Versicherungsriese Ergo hat die digitale Innovation mit offenen Armen angenommen, indem er einen ganz neuen Unternehmenszweig innerhalb der Gruppe gegründet hat, Ergo Digital IT mit Sitz in Warschau und Berlin. Aber man musste eine internationalen Mitarbeiterstab mit sehr spezifischen Qualifikationen rekrutieren, um diese große Veränderung erfolgreich auf den Weg zu bringen. Wir haben eine komplett neue Website und Arbeitgebermarke entworfen und Videos mit den derzeitigen Mitarbeitern produziert. Natürlich hat “digital” Einfluss auf die Rekrutierung, das Marketing und darauf, wie man die Marke nach außen kommuniziert.”

 

DAS GESAMTE UNTERNEHMEN MUSS SICH MIT DER INNOVATION WOHLFÜHLEN

Aber das ist nicht nur ein externes Thema. Digital ist genauso eine kulturelle wie eine technologische Verschiebung. Das bedeutet, die interne Kommunikation ist absolut wesentlich. “Als das internationale Beleuchtungsunternehmen Zumtobel ihre eigene Servicemarke ins Leben rief, haben wir ein Team von Markenbotschaftern geschult, die ihre Kollegen für die neue Marke und die damit verbundenen Innovationen begeistert haben.”

Gilmar erzählt weiter: “Wir haben außerdem Innovationsworkshops organisiert, um den älteren Teams zu zeigen, wie sie davon profitieren, neue Dinge auszuprobieren. Bei Familienunternehmen bedarf es etwas mehr Überzeugungsarbeit – aber wenn sie einmal mit an Bord sind, werden die Dinge schnell umgesetzt.”

 

DIE JÜNGERE GENERATION RANLASSEN

Wenn es diejenigen in den Familienunternehmen sind, die mit Begeisterung Neues ausprobieren, dann muss die ältere Generation ihnen die Freiheit lassen. Der ‘Vater’ aus unserem ersten Podcast sagt: “Ich bin sehr froh, dass ich in meiner Tochter eine Technikbegeisterte an meiner Seite habe. Sie zeigt mir neue Bereiche, die sehr aufregend sind. Das ist eine echte Verjüngungskur für mich und es macht mir Freude, diese Verantwortung abzugeben.”

Diese Ermächtigung muss nicht im Herzen des Unternehmens stattfinden. Laut PwC gründen 54% der Familienfirmen neue unternehmerische Vorhaben. Ein ideales Testgelände für die kommende Generation, ohne das eigentliche Kerngeschäft riskieren zu müssen. Und natürlich kann man auch externe Hilfe von Experten hinzuziehen. In unserem Podcast ‘Tochter’ wird die Arbeit mit Gilmar folgendermaßen beschrieben: “Ich war beeindruckt von der Klarheit und Einsicht, die er mir geben konnte. Das half uns, effektiv zu hinterfragen und zu definieren, was wir machen wollten und was wir machen konnten.”

 

FÜNF ARTEN, WIE FAMILIENUNTERNEHMEN DAUERHAFT ERFOLGREICH BLEIBEN

Nummer eins: Warum man Freiheit und Fokus braucht

Nummer drei: Warum ein alter Fuchs neue Tricks braucht

Nummer vier: Warum es nicht einfach in der Familie bleiben kann

Nummer fünf: Warum Werte wertvoll sind

 

Wir helfen ihnen beim Aufbau ihres Familienunternehmens. Bei Interesse finden sie uns hier